Warum man so viel Ausdauer im Training braucht

Ein Erfahrungsbericht einer ausgebildeten Hundetrainerin

 

Gestern stand ich mit Tränen in den Augen im Wald. Tränen voller Stolz und Rührung, als Blue ein Reh sah und nichts machte...

 

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Meine Husky-Mix Hündin, Blue, jagt wie verrückt, wenn sie denn könnte. Ich hatte vorher meinen jagenden Beagle und meinen jagenden Hütemix trainiert. Ich dachte, ich wüsste, wie stark der Wunsch nach Jagen sein könnte... weit gefehlt! ;)

 

Seit 2 Jahren und 3 Monaten lebt Blue bei mir. Seit 2 Jahren und 1 Monat arrangieren wir uns mit einer Schleppleine. Seit 1 Jahr und 11 Monaten machen wir intensives Training, bei dem Blue lernt, entspannter bei einer Wildsichtung zu sein (Denken, Essen und Umdrehen sind dabei meine Ziele).

 

 

Bisher bei einer Wildsichtung:

  • Blue sieht das Reh vor mir
  • friert für 1,5 Sekunden ein
  • und sprintet dann mit aller Kraft in die Leine
  • schreit und bellt dabei
  • versucht cm für cm den Abstand zum Reh zu verringern
  • 20kg, die beim Zughundesport mich auf dem Fahrrad ziehen, können gewaltige Kräfte freisetzen, wenn sie auf einen Ruck komprimiert sind
  • das Reh flüchtet meist
  • und Blue schreit und fiepst in dieser Form noch gute 20 Minuten dem Reh hinterher, bis sie wieder gedanklich in dieser Welt zu sein scheint 

 

Was wir bisher trainiert haben:

Wir üben täglich Impulskontrolle, doppelten Rückruf, BAT am Wild, CfB am Wild, machen als Alternative zum Nicht-Jagen-Dürfen, Zughundesport und Mantrailing (beides eher unregelmäßig). Zweimal die Woche kann sie auf einer eingezäunten Fläche komplett frei laufen und wir machen Jagdersatzspiele unterwegs und zu Hause.

 

unsere bisherigen Zwischenerfolge

  • es hat 7 Monate Training gedauert, bis sie überhaupt Leckerbissen im Wald essen konnte; endlose Mengen von Käse und Würstchen waren dann wohl doch ein überzeugendes Argument ;)
  • weitere 3 Monate dauerte es, bis gemeinsames Spiel im Wald möglich war und bis heute nur möglich ist, wenn es nur wenig Wildpsuren am Wegrand gibt
  • Nasenarbeit unterwegs klappt bis heute im Wald nur mit Leckerbissen, bald sicher auch mit Spielzeug

Was gestern geschah oder wie sich der Erfolg einstellt

Gestern waren wir in einem sehr einsamen Wald unterwegs. Sie blieb plötzlich stehen und starrte in eben diesen. Reflexartig begann ich sie ruhig zu loben, dafür das sie steht und nicht direkt sprintet. Da sie länger als 10 Sekunden still stand, dachte ich, sie sieht allerhöchstens ein Eichhörnchen. Bei Kleintieren wie Eichhörnchen und Kaninchen greift unser Training sehr gut, bei einem Reh wäre sie ja bekanntlich direkt losgeschossen.

 

Mit meinem Blick durchforstete ich ihre Blickrichtung und da standen sie, 4 Rehe in ca. 50m Entfernung.

Blue ging vorwärts, ich gab ihr unser gut trainiertes Stoppsignal und sie stand. Ich lobte sie für Stehen und Gucken... und sie stand! an lockerer Leine! und guckte zu den Rehen!

 

Nach ca. 3 Minuten gucken wollte sie sich von alleine zu mir umdrehen (das Würstchen in meinem Futterbeutel lockte wohl). Sie brauchte 5 Anläufe bis sie es schaffte, sich tatsächlich zu mir um zu drehen und ein Wurststückchen zu fressen. Sofort schaute sie wieder zu den Rehen und stand erneut still und leise. Die Rehe bewegten sich langsam von uns weg und sie guckte ihnen in alle Ruhe nach, ab und an holte sie sich ein paar Wurststückchen von mir ab.

 

Währenddessen stand ich mit tränenverklärtem Blick und bewunderte diesen Hund und unseren Erfolg.  Das Ganze machten wir ca. 10 Minuten lang bis sie, mit Blick auf die Rehe, einfach unseren Weg weiter gehen konnte, die Leine blieb die ganze Zeit über locker! Wunderbar! Mein heimlicher Traum, sie eines Tages eventuell doch mal irgendwo, wo kein Wild ist, frei laufen zu lassen, wurde dadurch mit Hoffnung neu befeuert.

 

2 Jahre intensives Training und gestern haben wir den bisher größten Meilenstein erreicht. Ausdauer zahlt sich eben doch aus, auch wenn es zwischenzeitlich hoffnungslos erscheint und lange kein Fortschritt erkennbar war.

 

Dieser besondere Hund ist meine beste Lehrmeisterin in Sachen Ausdauer und Durchhaltevermögen (und in albern sein und liebevoll sein und, und, und! ;)

 

Herzliche Grüße

Daniela J. Braun

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