Die Löffel-Theorie oder Keine Löffel mehr da

„Jetzt war er den ganzen Spaziergang so brav und am Schluss ist er doch noch ausgetickt!“

 

Angelika Bodein erklärt in ihrem Artikel, was da eigentlich passiert

 

 

HundehalterInnen verstehen ihren Hund in solchen Situationen oft nicht. Wenn er doch dreimal ruhig an anderen Hunden vorbeigehen konnte, warum rastet er dann beim vierten Mal so aus? Die Löffeltheorie verdeutlicht, was da eigentlich passiert.

 

Die Energie ist endlich

Gesunde Menschen haben ein schier unerschöpfliches Reservoir an Energie, d.h. sie legen jeden Tag einfach mal los und tun. Bei chronisch kranken Menschen sieht das ganz anders aus, sie haben nur ein bestimmtes Maß an Energie und müssen damit über den Tag kommen. Weil das für gesunde Menschen sehr schwer vorstellbar ist, hat Christine Miserandino die Löffeltheorie entwickelt (hier die deutsche Zusammenfassung).

 

Ein chronisch kranker Mensch kann nicht aus einem unbegrenzten Pool an Energie schöpfen, sondern muss sich seine Kraft über den Tag genau einteilen. Das bedeutet, dass ein kranker Mensch sich sehr genau überlegen muss, wofür er seine Löffel einsetzt: der ganze Tag muss gut durchgeplant werden, denn sonst sitzt man ganz schnell ohne Löffel da.

 

 

Löffel für Hunde

 

In dem Artikel "It’s Only Funny Until Your Dog Runs Out of Spoons" wird die Löffeltheorie vom Menschen auf den Hund übertragen. Die Energie, die zur Verfügung steht, wird durch 12 Löffel symbolisiert. Jede Aktivität des Tages kostet Energie, d.h. dafür wird mindestens ein Löffel gezahlt.

 

 

Tagesablauf

 

Nehmen wir einmal an, ein Hund mit Verhaltensproblemen hat auch 12 Löffel zur Verfügung. Da er in seinen Aktivitäten vom Menschen abhängig ist, kann er sich nicht überlegen, wofür er seine Löffel einsetzt, sondern wird unterschiedlichen Reizen ausgesetzt, ob er nun will oder nicht.

 

Da kann es sein, dass schon allein das Aus-dem-Haus-Gehen zwei Löffel kostet. Die vielen Gerüche auf dem Spazierweg kosten auch mindestens zwei Löffel, der Hase, der vorne über den Weg hoppelt und bei dem der Hund stehen bleibt, kostet 4 Löffel. Jetzt zwei Hundebegegnungen, bei denen der Hund vermeintlich ruhig vorbeiläuft: das kostet jedes Mal zwei Löffel. Ruckzuck sind also alle Löffel verbraucht. Und ich habe jetzt nur sehr deutliche Energiefresser aufgezählt (oft geht auch Energie = Löffel verloren, weil der Hund das Geschirr nicht anziehen mag, sich mit der Leine unwohl fühlt, nicht gerne Auto fährt usw.). 

 

 

Die Löffel einteilen

 

Sind keine Löffel mehr da, d.h. ist die Energie aufgebraucht, steht der Hund die nächste Hundebegegnung nicht mehr ruhig durch und hängt brüllend in der Leine. Unsere Aufgabe als HunderhalterInnen ist es also, die Löffel gut über den Tag einzuteilen und uns genau zu überlegen, für welche Aktivitäten wir sie ausgeben.

Auf Hundebegegnungen und den Hasen, der über den Weg läuft, haben wir keinen Einfluss. Aber wir können einen großen Bogen um die Hundewiese machen oder den Spaziergang nach überdurchschnittlich vielen Erregungsauslösern früher als gewöhnlich beenden.

 

 

Autorin: Angelika Bodein

Hundeschule Clicker Doggies

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