Hilfe, mein Hund springt mich und Andere an!

 

 

Häufig springen Hunde am Menschen hoch und in den meisten Fällen wird dies als unangenehm empfunden. Es ist vollkommen in Ordnung wenn man dies selbst zulässt, aber werden Unbeteiligte angesprungen, ist es das nicht mehr. 

 

Die Folgen sind verärgerte Mitmenschen, Wäschereirechnungen im schlimmsten Fall bekommen Menschen und insbesondere Kinder deswegen Angst vor Hunden oder werden sogar verletzt.

 

 

 

Warum macht er das Eigentlich?

Dafür gibt es viele ganz unterschiedliche Gründe:

  • Futterbetteln: Ein Welpe springt seiner Mutter oftmals ans Maul, um Futter zu erbetteln. Das versucht dein Welpe am Anfang auch bei allen Menschen bei der Begrüßung - idR. erfolglos ;) und trotzdem zeigt ein Hund dieses Verhalten bis ins Erwachsenenalter.
  • Aufmerksamkeit: Es kann sein, dass du das Anspringen deines Hundes (unbewusst) verstärkt hast, so dass es zu einer erlernten Angewohnheit geworden ist. Wird einem Welpen beim Anspringen Aufmerksamkeit geschenkt (streicheln, ansprechen, schimpfen,…), kann dies dazu führen, dass das Anspringen auch noch von einem erwachsenen Hund häufig gezeigt wird. Er hat gelernt, dass es sich auf die eine oder andere Weise lohnt.
  • Übersprungshandlung: Es kann aber auch eine Übersprungshandlung sein, wenn dein Hund in einer Situation gestresst ist und seinen Stress durch Hochspringen abzubauen versucht. Es ist dann ein bißchen, als würde dein Hund um deine Hilfe bitten. Eine Geste, die man keinesfalls ignorieren sollte. Vielmehr solltest du seinen „Hilferuf“ wahrnehmen und sein Bedürfnis (Abstand, Körperkontakt, etc.) befriedigen.
  • Abwehr: Ebenso kann es auch dazu dienen, einen Menschen abzuwehren, wenn dein Hund eine Annäherung nicht möchte.
  • Spiel: Es kann die bevorzugte Art und Weise deines Hundes sein, dich so zu einem Spiel mit ihm auf zu fordern.
  • Ungeduld: Dein Hund hat in einem Moment eine gewisse Erwartungshaltung, die du gerade nicht erfüllst und „bringt dich damit in Bewegung“. Das ist einer Übersprungshandlung sehr ähnlich. Versuche die Emotionen und die Körpersprache deines Hundes genau zu beobachten, um herauszufinden, warum dein Hund dich und andere Menschen anspringt. Wenn du dir unsicher bist, ziehe einen guten Hundetrainer zu Rate. Die Ursache des Verhaltens hat Einfluss auf die Wahl der Trainingsmethode.

 

Welche Methode du besser nicht anwendest!

  • Ignorieren:  Wenn dein Hund ein tiefes Bedürfnis nach sozialer Interaktion mit dir hat und du ihn dann ignorierst, kann das zu ausgeprägter Irritation und Frustration führen. Dieses Instrument sollte von dir also (wenn überhaupt) mit Bedacht verwendet werden. Ein gutes Management der Situation, so dass dein Hund gar nicht erst an Menschen hochspringen kann und ein strukturiertes Training des erwünschten Verhaltens sind hier deutlich sinnvoller.
  • Bestrafen: Bestrafst du deinen Hund für das Anspringen, kannst du das auf zwei Arten machen, beides bringt dich aber nicht, ohne einen hohen Preis zu zahlen, zum gewünschten Ziel. Bei der positiven Bestrafung folgt auf das Anspringen ein unangenehmer Reiz, zB. ein Schmerzreiz durch das gehobene Knie oder ein Schlag auf die Nase/Kopf (leider sind das tatsächliche Empfehlungen, die unsere Kunden von anderen Hundetrainern schon erhalten haben). Die Emotion deines Hundes verschlechtert sich. Es kann passieren, dass er andere Reize, die er im selben Moment wahr nimmt, ebenfalls von ihm negativ bewertet werden und sich darauf Umweltängste entwickeln können. Wenn der Schmerzreiz groß genug war, wird er deinen Hund möglicherweise hemmen. Gehemmte Hunde sind aber in etwa vergleichbar mit tickenden Zeitbomben. Plötzlich sucht die gehemmte Energie sich einen Weg und der Hund entwickeln Stereotypien oder öffnet andere „Baustellen“. Sollte seine Motivation in einer bestimmten Situation aber höher sein als die Angst vor der Strafe, wird dein Hund dich trotzdem wieder anspringen. Bei der negativen Bestrafung wird nach dem Anspringen ein positiver Reiz entfernt, z.B. Aufmerksamkeit (Wegdrehen, Ignorieren, Raum verlassen, übliche Belohnungen durch Leckerbissen). Die direkte Konsequenz für deinen Hund ist ein hohes Frustrationsniveau. Hat dein Hund vorher kein gewünschtes Alternativverhalten gelernt, weiß er nicht, wie er diese Frustration abstellen kann. Die Folge kann sein, dass er dich noch öfter und intensiver anspringt, oder sogar versucht seinen Frust anders abzubauen, wie z.B. durch Aggressionsverhalten (zB. Beißen in Hosenbeine/Ärmel).

 

Wie du deinem Hund das Anspringen abgewöhnst!

Mit einem Alternativverhalten: Nur laut „Nein“ zu sagen, gibt deinem Hund keinerlei Information darüber, was du eigentlich von ihm möchtest. IdR. wird das „Nein“ mehr oder weniger bedrohlich auf deinen Hund wirken. Ist er geängstigt, lernt er nicht mehr gut und du gerätst in eine Spirale, in der dein „Nein“ immer lauter wird und dein Hund immer gehemmter - der perfekte Weg, eure Beziehung zu ruinieren. Besser wäre es, du würdest dich für ein Alternativverhalten entscheiden, welches du kurz vor dem Anspringen (und zur Not kurz danach) abfragen kannst: Stehen, Sitzen, Liegen, Spielzeug tragen, Futter essen, etc. Dein Hund lernt, statt des Anspringens, direkt das gewünschte Alternativverhaltenauszuführen.

 

Gegebenenfalls kannst du ein Kommando für „Runter“ aufbauen:

  • Falls dein Hund bereits ein Kommando für „Rauf“ (z.B auf einen Baumstumpf hüpfen) kennt, kannst du dieses nutzen.
  • Ansonsten lockst du deinen Hund mit einem Leckerbissen vor der Nase, so dass er mit den Vorderpfoten auf einem erhöhten Gegenstand steht.
  • Dann gibst du das Kommando für „Runter“ und lädst deinen Hund ein, wieder zurück auf den Boden zu gehen (dabei gehst du selbst einen Schritt zurück…).
  • Du lobst deinen Hund augenblicklich, wenn alle Pfoten auf dem Boden sind und gibst ihm eine passende Belohnung (Futter, Freilauf, Spiel, Trick, Streicheln, etc.)

Aufmerksamkeit: Wenn das Anspringen zum Mittel seiner Wahl geworden ist, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen, reagierst du zukünftig am besten früher, noch bevor dein Hund dich anspringt und verhinderst somit, dass er dich anspringen kann, wenn du gerade nicht für entsprechendes Training bereit bist (Kindergitter, Ausweichen, Leine am Hund befestigen, etc.). Du kannst zB. ein gut geeignetes Alternativverhalten abfragen oder ihm etwas zum Selbstbeschäftigung geben.

 

 

Wenn er dich beim Nachhause kommen anspringt:

Dein Hund, der nach einer Phase der Trennung von dir, freudig erregt an dir hochspringt, um deinem Gesicht

näher sein zu können, möchte dich begrü.en. Er hat das Bedürfnis von dir wahrgenommen zu werden und wieder in Kontakt mit dir zu sein. Wenn dein Hund noch ein Welpe ist oder noch gar nicht hochspringt, kannst du bereits versuchen bei jeder Gelegenheit, in welcher er an dir hoch springen möchte, diesem zuvor zu kommen, indem du dich zu ihm kniest oder zu ihm auf den Boden setzt. Dort kannst du dich mit ihm beschäftigen oder warten, ob sich die Aufregung löst, dabei ist es wichtig eine ruhige und freundliche Energie auszustrahlen, anstatt „vor Freude auszurasten“.

 

Möchtest oder kannst du nicht auf den Boden begeben, kannst du dich trotzdem über die Wiedervereinigung mit deinem Hund freuen, ihn ruhig streicheln und beispielsweise deine Hand zum Ablecken anbieten.

Wenn du auf dem Boden kniest/sitzt und dein Hund dich anspringt:

  • Drehe deinen Kopf und den Oberkörper von deinem Hund weg. Stellt er sein Verhalten ein, kannst du ihm gerne wieder Zuwendung schenken.
  • Springt dein Hund dich weiterhin an, solltest du deine Position verändern, Aufstehen, dich woanders hinsetzen oder kurz den Raum verlassen.
  • Zeigt dein Hund ruhiges Verhalten und hat alle vier Pfoten fest auf dem Boden, lobst du ihn und gibst ihm ein Leckerbissen.

 

Wenn du Besuch empfängst oder Bekannte unterwegs triffst:

Das kann bei dir zu Hause oder auch unterwegs sein, wenn man eine bekannte Person trifft. Für dieses Training brauchst du eine Hilfsperson. Dein Hund ist an der Leine und du bist mit sehr guten Leckerbissen

ausgerüstet.

 

1. Schritt:

  • Dein Trainingspartner steht euch in ca. 5m Entfernung gegenüber und guckt euch nicht an.
  • Hat dein Hund alle vier Pfoten auf dem Boden, lobst du ihn in dem Moment, in dem er die Hilfsperson wahr nimmt und belohnst ihn mit einem Leckerbissen, welches du vor ihn auf dem Boden legst.
  • Die Hilfsperson macht erneut auf sich aufmerksam (bewegen, Geräusch machen oder Name des Hundes sagen) und die Übung beginnt von vorn.
  • Das könnt ihr 3 - 5 Mal wiederholen.
  • In diesem Schritt erlernt dein Hund das erwünschte Alternativverhalten zum Anspringen.

 

2. Schritt:

  • Deine Hilfsperson steht in 5m Entfernung und bewegt sich EINEN Schritt in eure Richtung.
  • Sofern alle vier Pfoten deines Hundes auf dem Boden bleiben, markerst (Loben) und belohnst (Füttern) du ihn erneut mit einem Leckerbissen auf dem Boden zwischen seinen Pfoten.
  • Diesen Schritt kannst du 3 - 5 Mal wiederholen, dann machst du eine Pause

In den nächsten Wochen übst du mit unterschiedlichen Hilfspersonen und an verschiedenen Orten. Damit generalisierst du den Begrüßungsablauf und dein Hund verinnerlicht das Alternativverhalten.

 

Dafür kannst du schrittweise den Schwierigkeitsgrad erhöhen:

  • du verringerst die Entfernung z.B. 3 m, 2m, 1m
  • dein Trainingspartner spricht deinen Hund lauter an
  • er wedelt mit den Armen
  • er geht in die Hocke
  • läuft auf euch zu
  • spielt mit Spielzeug
  • hat Futter in der Hand

Je konsequenter du dabei bist, desto schneller lernt dein Hund das Anspringen beim Begrüßen zu unterlassen.

 

 

Wenn dein Hund fremde Menschen unterwegs anspringt:

Du bist mit deinem Hund unterwegs spazieren und er hat die Angewohnheit Passanten anzuspringen, eventuell sogar solche, die ihn noch nicht mal ansprechen, dann solltest du deinen Hund an der Leine sichern. Am besten eignet sich dafür eine Schleppleine.

  • Bevor die Vorderpfoten deines Hunde vom Boden abheben (er wird dann seinen Blick auf die Person richten) lobst (Marker) und belohnst (Leckerbissen) ihn.
  • Stehst du hinter deinem Hund, weil du ihn an der Leine hältst und euch ein Passant begegnet, gibst du den Leckerbissen so, dass dein Hund seinen Kopf vom Passant abwenden muss.
  • Das Angucken des Passanten wird in halb-Sekundenschritte verlängert bis du laut „21“ sagen kannst.
  • Wenn dieses Verhalten gefestigt ist, wird es bis auf „23“ (in halb Sekundenschritten) verlängert. ACHTUNG: immer schön variabel mal 21, mal 22, nochmal 21…dann 23.

Dein Hund wird das Anspringen von Passanten zunehmend selbst verringern, vielleicht sogar ganz abschalten. Du solltest aber dringend weiter trainieren, da es ihm mit der Pubertät wieder recht schwerfallen

kann.

 

 

Wenn dein Hund dich in unterschiedlichen Situationen anspringt:

Du solltest deinen Fokus darauf richten, deinen Hund für passendes Alternativverhalten in potenziell schwierigen Situationen zu belohnen, BEVOR er überhaupt auf die Idee kommt hochzuspringen. Lobe und belohne ihn zwischendurch einfach immer wieder dafür, dass er alle vier Pfoten auf dem Boden lässt.

  • Dein Hund ist ohne Leine in deiner Nähe und du hast zahlreiche kleine Leckerbissen griffbereit und eventuell einen Klicker/Lobwort/Marker.
  • Bewege dich einen Schritt von deinem Hund weg.
  • Sobald er das registriert hat und BEVOR er dich anspringt, lobe (klicke) und belohne (Leckerbissen), welches du direkt vor deinem Hund auf den Boden legst.
  • Während er frisst, bewegst du dich wieder einen Schritt von ihm weg.
  • Er kommt dir hinterher und du lobst und belohnst wie eben, BEVOR er dich anspringt.
  • Falls dein Hund doch mal hochspringt, weiche ihm aus, ignoriere das kurz und lobe und belohne ihn sofort wieder, wenn er sich „entscheidet“, dich nicht anzuspringen (Pfoten auf dem Boden lässt, sich hinsetzt, etc.).
  • Wiederhole das max. 10 Mal hintereinander und mache dann eine Pause.

Generell solltest du diesen Aufbau an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten machen, so lernt dein Hund, dass sich das Alternativerhalten IMMER für ihn lohnt, das Anspringen aber nicht.

Für den zweiten Teil dieses Trainings solltest du all dein Verhalten im Kopf haben, welches deinen Hund dazu animiert, dich anzuspringen. Nach und nach bringst du ihm während jeder dieser Verhaltensweisen und Situationen bei, dass sich sein Alternativverhalten mehr lohnt als das Anspringen.

  • Wenn du zur Tür herein kommst, lobst du deinen Hund schon im Moment des Türöffnens und belohnst ihn wieder mit einem Futterbrocken zwischen seinen Pfoten auf dem Boden. Dann bewegst du dich und wie eben beschrieben, lobst und belohnst du deinen Hund jedes Mal dafür, dass er seine Pfoten auf dem Boden lässt. Wenn dein Hund somit etwas weniger aufgeregt ist, ob deines Wiederkommens, kannst du dich ruhig zum ihm auf den Boden setzen und ihn dort begrü.en, streicheln oder wie auch immer du gerne deinen Hund begrüßt.
  • Wenn eine hohe Stimme deinen Hund zum Anspringen verleitet, mache solch ein Geräusch und lobe ihn erneut BEVOR er hochspringt mit Lob und Leckerbissen auf dem Boden.
  • Wenn es einfach nur Still stehen ist, dann bleibe unterwegs stehen, und lobe und belohne deinen Hund dafür, dass er dich noch nicht anspringt.
  • Das Prinzip bleibt immer das Gleiche, ob du mit den Armen wedelst, hüpfst, ein Spielzeug schwingst, Essbares in der Hand durch den Raum trägst, oder oder oder…
  • Lobe und Belohne deinen Hund augenblicklich in dem Moment, in dem er die Verlockung wahrgenommen hat, aber noch nicht dabei ist dich an zuspringen .
  • Je länger du das übst, desto sicherer wird das alternative Verhalten von deinem Hund in potenziell aufregenden Situationen gezeigt.
  • Nach und nach verzögerst du das Lob und deine Belohnung ein winziges bisschen mehr und er zeigt sein Alternativverhalten immer länger und immer sicherer.
  • Variiere deine Belohnung immer wieder, stelle sie im ersten Jahr des Trainings jedoch nie ganz ein.

 

 

 

In diesem Video von Emily Larlham kannst du dir das eben Beschriebene noch mal anschauen:

 

 



 

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Training!

 

Autorengemeinschaft von HundGutAllesGut.de:

Marie Krüger, Melanie Ebel, André Scholz, Katrin Hippert & Daniela J. Braun

 

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